1.9.2005

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Homburg geht mit der Laterne
Von Stadthistorikerin

Noch ein Tag bis zum Laternenfest! Die TZ nimmt das Doppeljubiläum – vor 70 Jahren wurde das erste Laternenfest gefeiert, und insgesamt findet es zum 60. Mal statt – zum Anlass, um in einer Serie hinter die Kulissen zu schauen und auch die Geschichte von Homburgs größtem Heimatfest zu beleuchten.

Bad Homburg. Für das am 28. September 1935 erstmals veranstaltete Laternenfest suchte der Kurverein ein Laternenlied. Auf den im Taunusboten veröffentlichten Hinweis gingen so viele gereimte Verse ein, dass sich der Redakteur zu der Überschrift verstieg: «Homburg, die Stadt der Dichter». Aber das scheint nach den abgedruckten Kostproben reichlich übertrieben. Einigen Teilnehmern war wohl der Charakter des geplanten Festes nicht klar, denn sie entwarfen einen Werbeslogan für die Heilerfolge des Kurbades. Zu ihnen gehörte Kurdirektor Walter Höfner, dem Folgendes einfiel: «Wer krank ist, braucht nicht zu verzagen. Bad Homburg heilt ihm Darm und Magen.» Das Gedicht von F. Meldau kam dem Fest schon näher: «Scheint die Sonne, scheint der Mond, scheinen hell die Sterne. Alles, was in Homburg wohnt, geht mit der Laterne.»
Das Ergebnis des Wettbewerbs war insgesamt dürftig, aber 1937 ging ein früheres Mitglied der Kurkapelle und späterer Inhaber einer Musikalienhandlung in der Louisenstraße 70 als Sieger hervor: Paul Grützner. Seit 1899 lebte er in Bad Homburg und war durch die Komposition von Märschen und Liedern aufgefallen. Das «Bad Homburger Laternenfestlied», zu dem Grützner auch den Text verfasste, sprach die Besucher des Festes sofort an. Die Anfangsworte «Wir gehen mit der Zeit voran und stehen nicht mehr hintenan, bei uns herrscht wahre Freude» konnten, wie das ganze Lied, auch nach dem Krieg unverändert gesungen werden, da sie völlig unpolitisch waren. Bei der Wiederaufnahme des Festes im Jahr 1949 war Grützners Lied natürlich dabei und gehörte beim Umzug dazu wie die Laternen selbst. Noch in den 60er Jahren lernten die Kinder in den Grundschulen dieses Lied, während es zum Repertoire jeder teilnehmenden Musikkapelle gehörte.

Paul Grützners letzte Lebenstage fielen in die Zeit des Laternenfestes von 1962. Am 27. August starb er im Alter von 91 Jahren. Sein Lied aber lebt weiter und ist seit 1979 auf einer Bronzetafel an der Vorderseite des Laternenfest-Brunnens am Marktplatz festgehalten. Die Anfangszeilen dienen zugleich als Titel für die aktuelle Laternenfest-Ausstellung im Gotischen Haus.