24.8.2005

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Homburgs einfallsreiche Wagenbauer: Von der Flosse bis zum Turm
Von Gerrit Stolte
Noch neun Tage bis zum Laternenfest! Die TZ nimmt das Doppeljubiläum – vor 70 Jahren wurde das erste Laternenfest gefeiert, und insgesamt findet es zum 60. Mal statt – zum Anlass, um in einer Serie hinter die Kulissen zu schauen und auch die Geschichte von Homburgs größtem Heimatfest zu beleuchten.
Bad Homburg. Für viele Besucher sind sie der absolute Höhepunkt eines jeden Laternenfestes: Die beiden Festumzüge, die am Samstagabend und am Sonntagvormittag durch die Straßen der Stadt ziehen. Kein Wunder, schließlich bieten die Festwagen oftmals einen optisch überwältigenden Anblick. Entsprechend dem seit 1949 üblichen Fest-Motto werden die Wagen bis ins kleinste Detail geschmückt. Bis es so weit ist, müssen die beteiligten Vereine in kürzester Zeit Höchstleistungen vollbringen.
«Zwar steht schon jeweils Anfang Juni fest, welcher Verein welchen Wagen schmücken soll», erzählt Kirsten Ohlrogge, die Vorsitzende des Laternenfestvereins. «Doch richtig anfangen können die meisten erst mal noch nicht.» Der Grund: «Die Landwirte sind dann noch mit der Ernte beschäftigt.» Und die dabei eingesetzten Anhänger würden schließlich zu den imposanten Wagen (maximale Maße: 20 Meter lang, vier Meter hoch und 2,80 Meter breit) geschmückt.

Zwar gab es schon bei der ersten Auflage des Laternenfestes 1935 einen Festzug. Doch erst mit dem Neubeginn nach den Kriegswirren 1949 etablierte sich der Umzug in der Art, die ihn heute zum Publikumsmagneten macht. Bis zu 40 Festwagen haben in manchen Jahren an den Umzügen teilgenommen – alle gemäß eines zum Jahresmotto passenden Unterthemas geschmückt.

Ein regelrechter Schönheitswettbewerb entstand über die Jahre zwischen den teilnehmenden Vereinen. Jedoch ein Wettbewerb mit einem kleinen Fehler – denn der schönste Wagen wurde nie gekürt, lediglich anhand des Zuspruchs der Zuschauer am Streckenrand konnte der Erfolg der Arbeit gemessen werden.

Ohlrogge kann sich an viele tolle Wagen in den vergangenen Jahrzehnten erinnern. Besonders imposant sei zum Beispiel einst der Wagen der DLRG-Gruppe gewesen, die einen Wal mit einer großen Schwanzflosse gebastelt hatte. Und dann habe es heftig geregnet, woraufhin das Material stark in Mitleidenschaft gezogen wurde: «An den Bäumen in der unteren Kaiser-Friedrich-Promenade ist die Schwanzflosse dann abgeknickt.» Ein kleines Malheur im Vergleich zum Dauerregen von 1988: «Damals haben wir den Samstagsumzug ausfallen lassen müssen.
Der Ausfall war aber zum Glück auch das bislang größte Malheur in der nunmehr 70-jährigen Geschichte der Festumzüge. «Alles verlief unfallfrei», sagt Ohlrogge nach kurzem Nachdenken. Eigentlich auch kein Wunder, schließlich ist das Tempo des Festzugs immer sehr gemäßigt – nicht zuletzt auch, damit die mitlaufenden Tanzgarden und Musikzüge dem Publikum ihre Künste ausreichend präsentieren können
Auf unfallfreie Umzüge hoffen die Teilnehmer natürlich auch in diesem Jahr. Unter dem Motto «Wir gehen mit der Zeit voran . . . 70 Jahre Laternenfest» werden insgesamt 19 Festwagen zu bewundern sein. Die Themen der Wagen sind vielfältig und haben dennoch einen gemeinsamen Nenner: Zu sehen sein werden Höhepunkte aus 70 Jahren Laternenfestgeschichte. Außer den traditionellen Teilnehmern wie der Freizeitgemeinschaft 17, dem Deutschen Roten Kreuz, den Aalen Eschbächern, dem Homburger Carneval Verein und den Freunden des Carneval wird erstmals auch die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten mit einem Wagen präsent sein.