25.8.2005

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Taunus Zeitung 25.08.2005
Ernst Daniels gewann Preis für die beste Zugnummer
Bad Homburg.

1935 – das Jahr des ersten Laternenfestes. Ernst Daniels war damals Schüler der Kaiserin-Friedrich-Schule und Mitglied des Segelfliegervereins, der sich weiland in Luftsportclub umbenannte und noch heute besteht. Die jungen Burschen hatten eine Werkstatt im heutigen Finanzamt.

Als dann das erste Laternenfest näher rückte, elektrisierte es die Homburger geradezu . Der Aufruf an die Bevölkerung war wie ein Sturm. Nach Jahren der Entbehrung und Enthaltsamkeit sollte es endlich wieder ein Fest geben. Ein Fest, an dem jeder teilhaben konnte. Die Fassaden wurden geschmückt, auch dort, wo der erste Laternenfestzug nicht durchrollte. Egal – alles rüstete sich für das Großereignis.
Und auch die jungen Burschen vom Segelverein machten sich Gedanken, wie sie am Fest teilnehmen könnten. «Da kurz vorher die Straßenbahnlinie zur Saalburg eingestellt worden war, hatten wir schnell eine Idee für eine Zugnummer!», erinnert sich Daniels. Und so hätten sie den Straßenbahnwagen mit zwei Anhängern nachgebaut. «Es war so schade, dass die gute Trambahn durch einen Bus ersetzt wurde. Aber wir wollten der Bahn noch einmal ein Denkmal setzen!»

Nun war es gar nicht so einfach, die aus Holz gezimmerte Bahn in den Zug einzugliedern. Man beschloss, auf Grund der anfälligen Holzräder sich erst in der Ludwigstraße dezent einzugliedern, um dann gleich wieder nach dem Kurhaus auszuscheren. Und auf diesem kurzen Weg ließen die findigen Burschen dann noch einen Koffer mit Aufsehen erregenden Dessous fallen, so dass ihr Wagen nicht nur für Furore sorgte, sondern auch mit dem ersten Platz bedacht wurde. «Und das, obwohl wir nur rund um das Kurhaus mit dabei waren», freut sich Ernst Daniels auch 70 Jahre danach noch spitzbübisch.

«Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man beim ersten Laternenfest aktiv dabei war», sagt er im Rückblick. Zu viel habe sich seither verändert. Ernst Daniels weiß noch von Karussells in der Stadt, zahlreichen Imbissbuden und Biergärten. «Aber wie die Karussells damals ausgesehen haben – das weiß ich beim besten Willen nicht mehr!» Kein Wunder, nach so vielen Jahren der Erinnerung. (min)