25.8.2005

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„Bonbon-Onkel“ als Vater des Laternenfestes
Von Claudia Rundel

Noch acht Tage bis zum Laternenfest! Die TZ nimmt das Doppeljubiläum – vor 70 Jahren wurde das erste Laternenfest gefeiert, und insgesamt findet es zum 60. Mal statt – zum Anlass, um in einer Serie hinter die Kulissen zu schauen und auch die Geschichte von Homburgs größtem Heimatfest zu beleuchten.

Bad Homburg. Sein eigentlicher Vorname war Reinhold. Doch für Freunde, Bekannte und Kollegen hieß er René. Für die Kinder wiederum war er der Onkel mit den Bonbons. Und wenn im September das Laternenfest Jubiläum feiert, wird ganz sicher auch auf sein Wohl angestoßen: Reinhold ‚René‘ Schmidt. Denn der 1989 verstorbene Homburger zählt zu den Vätern des Traditionsfestes.
René, Bonbons, Laternenfest? Der Reihe nach: Eigentlich war Reinhold ‚René‘ Schmidt ein erfolgreicher Journalist und arbeitete viele Jahre in seiner Heimatstadt Frankfurt. Als Adolf Hitler an die Macht kam , verlor Schmidt seine Anstellung, weil er sich weigerte, seine Arbeit in die Dienste der Partei zu stellen. Über seinen Schwiegervater kam der Frankfurter in die Kurstadt, wo er den ‚Taunusboten‘ erwerben wollte. Doch die Verhandlungen scheiterten. Dafür aber bot sich eine andere Gelegenheit. Der Journalist konnte die Drogerie am Markt übernehmen.

Die Erwachsenen schätzten das Sortiment des Geschäfts, zu dem in den Anfängen Branntwein, Arzneimittel und Gifte gehörten. Für die Kinder aber war Schmidt ‚der Onkel mit den Bonbons‘, wie ihn ein Knirps taufte. Denn oft stand der Wahl-Homburger vor seinem Geschäft, hielt einen Plausch mit Passanten und beschenkte die Kleinen mit den Naschereien.

Im Herzen aber blieb René Schmidt Journalist und war auch Ansprechpartner, wenn es um Presseangelegenheiten der Stadt ging. Man schrieb das Jahr 1934. Die Homburger Gastronomie wie auch der Einzelhandel klagten über die schlechte wirtschaftliche Situation. So kam es, dass der damalige Bürgermeister Erich Meusel, Stadtkämmerer Hans Nöldner, Stadtinspektor Heinrich Pens und René Schmidt darüber berieten, was man unternehmen könne, um auf die Stadt aufmerksam zu machen. Pens, so heißt es in den Erinnerungen von René Schmidt, sei es schließlich gewesen, der die Idee zu einem Fest hatte.

«Dann haben sie sich Feste anderer Städte angesehen», weiß Schmidt-Tochter Dagmar Tobias. Ein Martinsumzug schließlich sei es gewesen, so die 68-Jährige, der Pens und seine Mitstreiter auf die Idee gebracht habe, 1935 ein Laternenfest ins Leben zu rufen. 8000 Mark – so die Schmidt’schen Aufzeichnungen – standen für die Werbung und die Durchführung des Festes zur Verfügung – und es wurde ein voller Erfolg. «Die Väter dieses Festes sind an diesen Tagen mit stolzgeschwellter Brust und einer brennenden Laterne in der Hand durch die strahlende Stadt gegangen», hat Schmidt niedergeschrieben.

Wenn auch nicht an das erste Fest, so kann sich Tochter Dagmar Tobias aber an die ersten Laternenfeste nach dem Krieg erinnern. «Jeder hat sein Haus geschmückt, und die Geschäfte haben ihre Schaufenster dekoriert.» Groß und Klein sei auf den Beinen gewesen, um einen Platz in der Schiffschaukel zu ergattern oder es sich an den Ständen und in einem der Höfe gut gehen zu lassen.

«Für mich war es am schönsten, wenn ich an der Schießbude schießen durfte», lacht die Homburgerin. Doch auch die aus Köppern stammende Mutter zeigte sich treffsicher, wenn es darum ging, die Röhrchen abzuschießen. «Mein Vater hat uns dann wegen unserer Treffsicherheit immer seine ‚Köpperner Wilddiebe‘ genannt», erinnert sich Dagmar Tobias.

Heute bedauert sie, dass das Fest doch einiges von seinem Charakter als Heimatfest verloren habe. «Ich würde mir wünschen, dass es wieder mehr ein Fest der Homburger wird. Jeder sollte wieder mitmachen, sein Haus oder seine Schaufenster dekorieren », meint sie. Auch ihr Vater habe diesen Wandel nicht ohne Wehmut gesehen . Dennoch blieb er «seinem Fest» im Herzen verbunden. Wenn ihm im Alter auch der Gang über die Festmeile zu beschwerlich war, so gehörte die «Abnahme» des Umzugs von der Haustür aus bis zum Schluss zum Leben René Schmidts. «Er stand vor dem Haus und hat sich den Zug angesehen. Danach gab es ein Glas Sekt», erinnert sich Tochter Dagmar