26.8.2005

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Gastwirte als Geburtshelfer
Von Michel Jacob

Noch sieben Tage bis zum Laternenfest! Die TZ nimmt das Doppeljubiläum – vor 70 Jahren wurde das erste Laternenfest gefeiert, und insgesamt findet es zum 60. Mal statt – zum Anlass, um in einer Serie hinter die Kulissen zu schauen und auch die Geschichte von Homburgs größtem Heimatfest zu beleuchten.

Bad Homburg. Das diesjährige Doppeljubiläum wirft vor allem eine Frage auf: Warum wird «70 Jahre Laternenfest» gefeiert, wenn es an sich erst das 60. Laternenfest ist? Antworten gibt der Blick zurück in die Geschichte.
Im Sommer des Jahres 1934 trafen sich Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft des Homburger Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes, um sich Gedanken darüber zu machen, wie man der wirtschaftlichen Krisensituation ihrer Betriebe und der ständig sinkenden Zahl der Gäste Einhalt gebieten könne. Man suchte nach einer besonderen Art der Unterhaltung und des Vergnügens, kurz einem Fest, das besonders die auswärtigen Besucher ansprechen und wieder nach Homburg ziehen sollte. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht, die auch großen Beifall fanden. Doch wusste niemand, wie die finanzielle Seite eines solchen Festes bewältigt werden sollte. Denn sowohl der Arbeitskreis des Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes als auch die Stadt selbst waren nicht in der Lage, irgendwelche Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Die durchgeführten Spendensammlungen seitens der Hoteliers und Gastwirte brachten keinen Erfolg. So verging das Jahr 1934, ohne dass einer der Festvorschläge verwirklicht werden konnte. Zu Beginn des Jahres 1935 legte dann der Leiter des Verkehrsamtes, Stadtinspektor Heinrich Pens, den Plan vor, am letzten Wochenende im September ein Laternenfest durchzuführen. Das war die Geburtsstunde des Homburger Laternenfests. Im Spätsommer 1935 erstrahlte Homburg zum ersten Mal im Glanz der vielen Laternen und Lichter. Als das letzte September-Wochenende heranrückte, war die ganze Stadt mobilisiert – und machte mit, um das erste Laternenfest zu einem Ereignis werden zu lassen. Die Stadt stand ganz im Zeichen der «Laternen» Es wurde ein voller Erfolg und übertraf alle Erwartungen. Die Innenstadt war ein einziger Festplatz, auf dem sich Tausende von Menschen drängten, die durch intensive Plakatwerbung in der Umgebung und sogar durch einen Rundfunk-Spot angelockt wurden. Man war sich einig, das Laternenfest zu einem festen Bestandteil in Homburg werden zu lassen.

Nur drei Mal – 1935, 1936 und 1937 – konnten die Homburger ihr neues Heimatfest so richtig genießen. 1938 wurde es, weil im Taunus die Kinderlähmung ausgebrochen war, nur «reduziert», das heißt ohne Festplatz und Festumzüge, nur mit geselligem Treiben und geschmückten Häusern gefeiert. Ein Jahr später erloschen die Lichter ganz, weil der Zweite Weltkrieg ausbrach.

1949 feierte das Laternenfest seine «Auferstehung» – und ist seitdem nicht mehr aus dem Veranstaltungskalender der Kurstadt wegzudenken.