28.7.2005

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Taunus Zeitung 28.07.2005
70 Jahre Laternenfest hinter 37 Türen
Von Marc Kolbe
Bad Homburg. Am Ende war Antonia I. so richtig hibbelig: Was mochte das bloß sein, was da, mit cremefarbenen Geschenkpapier verhüllt, am Laternenfestbrunnen auf sie wartete. Ungeduldig packte die Laternenkönigin das Päckchen aus und war ziemlich überrascht, was sie dann letztlich in Händen hielt – nämlich den ersten offiziellen Laternenfestkalender!
Pünktlich zum Jubiläum – das Homburger Volksfest wird dieses Jahr stolze 70 – hatte sich Peter Braun, Mitglied des Laternenfestvereins, etwas wirklich Außergewöhnliches einfallen lassen; etwas, was es bisher noch nie gegeben hat. Der Kalender ist in Form eines Adventskalenders aufgezogen. «Jeden Tag muss ein Türchen geöffnet werden. Damit wird die Vorfreude aufs Fest noch größer», hofft Braun. 7,70 Euro kostet das gute Stück, wobei 70 Cent pro verkauftem Kalender für den Laternenfestverein vorgesehen sind. Und wer den «Rettern des Laternenfestes» etwas richtig Gutes tun will, kauft gleich eines von den von Antonia handsignierten Exemplaren. Die kosten 12 Euro, wobei 5 Euro an den Verein gehen.
Hinter den 37 Türchen verstecken sich sowohl historische Daten als auch aktuelle Tipps zum Fest. Aber warum eigentlich 37 Türchen? «Die erste Tür muss am 1. August geöffnet werden und dann kommt man bis zum Dienstag nach dem Laternenfest», erklärt Braun. Als Motiv hat er eine alte Postkarte ausgewählt – übrigens eines der bekanntesten historischen Motive des Laternenfestes. Zu sehen sind eine Familie – Vater, Mutter, Oma und Kinder, die allesamt mit (für den Kalender nachkolorierten) Laternen unterwegs sind. Vor ihnen ist ein Plakat zu sehen, auf dem – nicht ganz einfach – in hessischer Mundart und in Sütterlinschrift folgendes zu lesen ist: «Un der Vadder un die Mudder un die Omama zünde alle mitananner ihr Laternche aa. Selbst der aller klaanste Hobbch sitzt mit’m Laternche uff’m Dobbsch.» 1935 war das Plakat in der Dorotheenstraße 14 zu bewundern.
Auffällig ist übrigens auch das Spiel mit der Zahl 7. Die taucht nämlich gleich mehrmals auf – nämlich in der 70. Auflage, beim Preis von 7,70 Euro, beim Vorstellungstermin am 27.7. und bei den 37 Türchen. Außerdem versteckt sich hinter dem 27. Türchen eine besondere Überraschung – die wird allerdings jetzt noch nicht verraten.
«Wenn die erste Auflage ein Erfolg wird, gibt es den Kalender jedes Jahr», verspricht Braun. Zumindest Kerstin Ohlrogge ist davon überzeugt. «Mit einer so kreativen Überraschung hätte ich wirklich nicht gerechnet», freute sich die Vorsitzende des Laternenfestvereins. Und auch Antonia war happy. Vor allem, weil auf der Rückseite des Kalenders der Text des Laternenliedes zu finden ist. «Und das muss ich noch auswendig lernen», erklärt Antonia. Dazu dürfte sie in den kommenden Tagen ausreichend Zeit haben: Um Kraft fürs Fest zu tanken, startet die Laternenkönigin heute in ihren Italienurlaub.
Wer einen der 1000 Kalender kaufen möchte, kann dies von heute an in Brauns Geschäft «Träume in Papier» in der Waisenhausstraße oder bei seinem Blumenstand (immer dienstags und freitags) auf dem Waisenhausplatz tun.