30.8.2005

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„Komm, wir gehen zu den Ottos baden!“ Die Familie von Antonia I.
Von Michael Jacob

Noch drei Tage bis zum Laternenfest! Die TZ nimmt das Doppeljubiläum – vor 70 Jahren wurde das erste Laternenfest gefeiert, und insgesamt findet es zum 60. Mal statt – zum Anlass, um in einer Serie hinter die Kulissen zu schauen und auch die Geschichte von Homburgs größtem Heimatfest zu beleuchten.
Bad Homburg. Laternenköniginnen haben offenbar eine besondere Beziehung zu Schwimmbädern. So wünschte sich Heike I. bei ihrer Inthronisation vor 30 Jahren eine Neugestaltung des Seedammbades. Und auch die jetzige Laternenkönigin Antonia I., die mit bürgerlichem Namen Antonia Otto heißt, hat eine ganz besondere Beziehung zu dem nassen Element: Ihre Vorfahren betrieben das erste Homburger Schwimmbad. Der Spruch «Wir gehen zu Ottos baden» war bis 1927 gang und gäbe.
«Es gab zwar schon früher ein Schwimmbad», erzählt die Laternenkönigin, «aber da durften nicht alle hinein.» Es handelte sich um den großen Forellenteich am Tannenwaldweg, in dem bis 1918 nur Mitglieder des Füsilier-Regiments und die kaiserlichen Kinder baden durften. Franz Otto sorgte 1882 dafür, dass in seiner Schwimm- und Badeanstalt alle Homburger das kühle Nass genießen konnten. Und kühl muss es wirklich gewesen sein: Schwimmmeister Heinrich Otto konnte gerade mal auf eine Wassertemperatur von 12 Grad verweisen. «Das wäre nichts für mich gewesen: Bei weniger als 19 Grad muss ich mich schon überwinden, um schwimmen zu gehen», meint Antonia I., die in ihrer Freizeit gern im Seedammbad ihre Runden dreht.

Das Freibad auf dem Gelände der heutigen Gärtnerei Otto am Gluckensteinweg wurde vom Hubbach gespeist. Einerseits war ein ständiger Austausch des Wasser dadurch gewährleistet, andererseits konnte sich das Wasser aber auch nicht aufheizen. Natürlich waren die Geschlechter streng durch eine hohe Holzwand getrennt. Wie Antonia I. aus den Erzählungen berichten kann, waren die Ottos oft damit beschäftigt, mühevoll gebohrte Löcher wieder zu stopfen. Man wollte mal einen Blick riskieren, obwohl es da aus heutiger Sicht nicht viel zu sehen gab. Die Körper der Mädchen oder Damen blieben züchtig in Einteilern verborgen. Aber schon ein nacktes Knie war für die Buben damals eine Sensation.

Fast 50 Jahre existierte die Badeanstalt der Familie Otto. Drei Generationen haben dort den Betrieb geleitet. Die Eröffnung des Seedammbades war gleichbedeutend mit dem Aus für die Anstalt. Aber die Erinnerung wird in der Familie aufrechterhalten. «Ich blättere gern in den Fotos und Zeitungsunterlagen meiner Familie und finde es interessant, dass meine Vorfahren zur Homburger Geschichte gehören», ist Antonia I. stolz.