31.8.2005

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Butzemann lässt Bürger und Gäste kalt
Von Stadthistorikerin Gerta Walsh

Noch zwei Tage bis zum Laternenfest! Die TZ nimmt das Doppeljubiläum – vor 70 Jahren wurde das erste Laternenfest gefeiert, und insgesamt findet es zum 60. Mal statt – zum Anlass, um in einer Serie hinter die Kulissen zu schauen und auch die Geschichte von Homburgs größtem Heimatfest zu beleuchten.

Bad Homburg. Der durchschlagende Erfolg des ersten Laternenfestes ließ die Verantwortlichen der Stadtverwaltung Ende 1935 nicht ruhen. Bürgermeister Meusel meinte, mit einer ähnlichen Veranstaltung könne man im Frühjahr jedes Jahres wieder viele Gäste anlocken. So entstand die Idee zum «Butzemannfest», dem Gegenstück zum Laternenfest, das auf den 16. und 17. Mai 1936 angesetzt war und zum Ziel hatte, «den Kampf der Naturkräfte um die Macht des Winters gegen den alles belebenden Frühling» zu zeigen.
Dieses stark weltanschaulich vom Nationalsozialismus geprägte Fest, das den nordischen Menschen, unsere «Altvorderen» mit deutschem Brauchtum und Gemeinschaftssinn in den Vordergrund stellte, sah in dem harmlosen Butzemann der Kinderstube die Verkörperung des Bösen. Dieser im Haus herumtanzende Bi-Ba-Butzemann aus der Zeit der Romantik wurde in seiner verfremdeten Form am Ende sogar auf dem Festplatz bei der Ferdinandstraße verbrannt.

Auf ihre Teilnahmen angesprochen, winkten die Vereine der Stadt ab. So blieben nur die Schulen zur Ausrichtung eines Festzuges mit Wagen und Gruppen übrig. «Bei starker Störung des Unterrichts», wie eine Schulchronik festhielt, kamen sieben Wagen zu Stande. Hier tummelten sich Elfen, Blumenkinder, die Frau Sonne und sogar der Osterhase um den Butzemann. Dem Ei als «Symbol der Erneuerung allen Lebens» war sogar ein eigener Wagen gewidmet, während ein Brunnenwagen daran erinnerte, «dass auch unsere schöne Stadt durch die heilkräftigen Wässer besonders eng mit der Natur und ihren ewigen Schätzen verbunden ist». So konnte man es im Programm lesen, das auf rosa Papier gedruckt war.

Der Festzug bewegte sich am Sonntag, 17. Mai, von der Kirdorfer Straße durch die Höhestraße, Haingasse und Louisenstraße bis zum Rondell, dem heutigen Europakreisel. An der Ferdinandstraße, vermutlich vor der Englischen Kirche, war von der Stadt eine Stelle als Festplatz bestimmt worden, auf dem der Butzemann verbrannt wurde. Eine Schülerin der Hölderlinschule hatte einige Strophen zur Ergänzung des harmlosen Butzemannliedes verfasst. Hier hieß es zum Beispiel: «Wir treiben nun den Butzemann aus unsrer Stadt hinaus. Er ärgert sich darüber sehr, doch alles stört uns gar nicht mehr.»

Wenn man sich dieses krampfhaft aufgezogene und symbolträchtige Butzemannfest vorstellt, kann man nachvollziehen, dass es weder bei den Bad Homburgern noch bei den Gästen der Kurstadt gut ankam. Die Resonanz war schwach bis negativ, daher gab es auch keine Wiederholung – das Laternenfest blieb konkurrenzlos.

Alles über das Programm des Bad Homburger Laternenfest im Doppel-Jubiläumsjahr lesen Sie heute in unserer großen Sonderbeilage.