Presse 2000

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05.09..00 Taunus Zeitung
Den Sternen am Firmament Konkurrenz gemacht

14 000 Mark für ein Laternenfest-Feuerwerk der Superlative

Von Martina Dreisbach

Bad Homburg. Vergessen aller Regen, vergessen die Kälte (fast) und vergessen auch, dass der Abschied unaufhaltsam näher rückte. Am Montagabend zeigte sich der Himmel so blau, wie Kurdirektor Peter Bruckmaier es am Sonntag beim Windhundrennen vorausgesagt hatte. Die Sprünge der Rock-'n'-Roller unterm Altstadtturm waren so kühn, dass die Sonne ausnahmsweise etwas später unterging. So etwas Tolles wollte sie sich denn doch nicht entgehen lassen. Auch schien die Bernd-Schütz-Band ihren Geschmack genau zu treffen. Wer hier saß, saß gut. Ute, die Kellnerin, hatte zu tun.

"Montags ist es doch am schönsten", sagte eine Homburgerin, die seit 23 Jahren Laternenfest feiert und es wissen müsste. "Da sind wir unter uns."

"Wir haben immer Glück mit unseren Konzerten", sagte Kulturkisten-Mann Alexander Kranich mit dem langen Pferdeschwanz auf dem Rücken, "zu Konzertbeginn hört es auf zu regnen." Die Leute also, die sich aus alter Anhänglichkeit hier im Hof an der Neuen Mauerstraße treffen, hatten gut reden, und als "Dr. Feelgood" abends kam, hörten sie zu.

An der Weed standen die Jugendlichen zunächst ratlos mit der Flasche in der Hand herum. Die Kirmeszelt-Musik konnte nach ihrem Geschmack nicht sein. Mit steigender Stunde und steigendem Alkohol aber stieg auch die Stimmung, so dass viele am Tag danach eine nette Erinnerung im Kopf haben werden. Wie eine Mahnung zu gesittetem Benehmen leuchtete die Neonröhre des Toilettenwagens nebenan in der Nacht. Die zerschmetterten Gläser auf den Straßen störten nur die Anwohner.

Als es dunkel wurde, zündeten auch die Mütter und Väter am Elisabethenbrunnen die Laternen der Kinder an. Viele hatten die Leuchtfontänen dabei, die Ihre Hoheit am Nachmittag samt Autogrammen bei Hertie hatte verteilen lassen. Immer noch lächelte Kerstin II. War auch der Schlaf zu kurz gekommen in den vergangenen Tagen, so hatte sie sich doch schnell an das märchenhafte Leben als Königin gewöhnt. Dann schaukelten alle Laternen, begleitet vom Spielmannszug Harmonie.

"Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist", sagte Kerstin II. in die Nacht hinein. Von morgen an werde sie wieder Mutter und Ehefrau sein. Fürchten muss sie das nicht, denn ein Ring ziert als ewige Erinnerung nun einen Finger, ein Selbstverteidigungskurs für Frauen ist ihr gewiss, und wenn das nicht hilft, ist da noch das Stofftier vom Brezelburschen.

Dann kam der Himmel zu Wort. Und da standen sie, die Zehntausend, die den Blick nicht wenden wollten vom Glitter und Glanz, der droben am Firmament tanzte und taumelte und - 14 000 Mark teuer - den Sternen Konkurrenz machte.

05.09..00 Taunus Zeitung
Rock 'n' Roll statt Volksmusik, Stimmung in der Altstadt

Von Sabine Münstermann

Bad Homburg. Freitagabend, 18 Uhr. Unter dem zweiten Brückenbogen am Mayrhofen-Stand gähnende Leere. Die Volksmusikanten aus Bad Homburgs Partnerstadt im österreichischen Zillertal mögen zwar, um die seitens der Stadt auferlegte 60-Dezibel-Grenze nicht zu überschreiten, ohne Verstärker auskommen - aber leider auch ohne großes Publikum.

Szenenwechsel. 19 Uhr im Schlosshof. Die Caravan Big Band soll in einer halben Stunden jazzen und swingen. Viele Besucher drängen sich hier auch nicht gerade, die paar Hundert - im Vorjahr waren es über 2000 -, die dem Regen mit Schirm bewaffnet die Stirn bieten, schauen immer wieder besorgt gen Himmel, um zu sehen, ob der Wettergott nicht ein Einsehen hat und die Schleusen endlich schließt. Hat er zunächst nicht. Als das Wasser auf der Bühne die Zwei-Zentimeter-Marke überschreitet, macht Dirk Roesenbaum vom Laternenfestverein das einzige, das er in dieser Situation machen kann - er sagt die Veranstaltung ab. Und dann lachen die Götter allen Kleingläubigen ins Gesicht, denn keine halbe Stunde später hört der Regen auf. Da ist der Schlossplatz allerdings schon wie ausgestorben.

Nicht ganz so drastisch sieht es auf der Louisenstraße aus, aber von Menschenmassen kann auch hier keine Rede sein. Bequem können die Besucher von Stand zu Stand schlendern, ohne Gefahr zu laufen, mit anderen in Berührung zu kommen, wie sonst bei diesem Volksfest so üblich. Diesmal gibt es reichlich Platz. An den meisten der rund 200 Stände und Schaustellerbuden stehen mehr Leute hinter als vor der Theke.

Zurück zur Altstadt, unter den zweiten Brückenbogen. Die Tuba-Bläser sind mittlerweile den "T-Birds" gewichen, es ist 22 Uhr, und die Stimmung ist seit es nicht mehr regnet deutlich besser geworden. Rund 400 Mann drängeln sich bei "Jump" und dem "Anton aus Tirol". Einzig die rechts und links der Band herunter gelassenen Planen deuten darauf hin, dass man gegen weitere Schauer gewappnet sein will. Für das Einhalten der 60-Dezibel-Grenze sorgt ein eigens mit der Tontechnik beauftragter Mann. Punkt Mitternacht ist Schluss. Die letzten Nachteulen ziehen gegen 2.45 Uhr von dannen. Im vergangenen Jahr war hier um vier Uhr morgens noch Halligalli angesagt.

Samstag, 14 Uhr. Es regnet wieder in Strömen. Im Altstadt-Café drängeln sich die Gäste, ebenso im Homburger Schloss, das mit 1000 Kerzen in festlichen Glanz gehüllt ist. In der Louisenstraße dagegen - von einigen mit Regenschirmen Bewaffneten mal abgesehen - überall das gleiche Bild: gähnende Leere. Je näher der Abend rückt, desto banger werden die Blicke gen Himmel. 1988 wurde schon einmal ein Laternenfestzug am Samstagabend wegen Regens abgesagt, und, Ironie des Schicksals, damals hieß die Laternenkönigin Kerstin I. Der 2. Vorsitzende des Laternenfestvereins, Gerhard Rhode, erklärt: "Wir werden bis zur allerletzten Minute abwarten und hoffen, dass der Regen aufhört."

Das hat offensichtlich geholfen, denn um 19.30 Uhr fällt der letzte Tropfen vom Himmel, die Parade ist gerettet. Dass es trotzdem grau und ungemütlich kalt ist, hält 140 000 Besucher nicht davon ab, vom Usinger Weg bis hin zum Europakreisel den Straßenrand zu säumen, und die rund 40 Wagen, Musikkapellen und Garden danken es ihnen mit einem beherzten Umzug.

Jetzt, da das Wetter gesichert scheint, füllt sich auch im Anschluss an den Festzug die Stadt, das Vorankommen auf der Louisenstraße ist nur im Schneckentempo möglich und gleicht eher einem Schieben und Drängeln. In der Altstadt ist das Gedränge am größten. An der Weed ist die Stimmung ebenso ausgelassen wie unter dem zweiten Brückenbogen - Mitgrölen ist angesagt. 60 Dezibel? So mancher konnte nicht glauben, dass die Lärmbeschränkung tatsächlich eingehalten wurde, denn ruhige Töne gab es sicher nicht. Leider auch keine für die Polizei. Denn die hatte am Samstag in der Altstadt alle Hände voll zu tun, um die "Bierleichen" einzusammeln und bei zahlreichen Schlägereien einzuschreiten.

05.09..00 Taunus Zeitung
Gemischte Gefühle beim Feiern

Altstadt im Visier der Lärmschützer

Von Michel Wacker

Bad Homburg. Laute Musik, ausgelassenes Feiern und Grölen bis in die frühen Morgenstunden - so kennt Bad Homburg das Laternenfest. Aber das damit verbundene wilde Treiben in der Altstadt ist den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge (die TZ berichtete). Mit radikalen Eindämmungen der Lautstärke auf 60 Dezibel versuchte die Stadt den Beschwerden der Anwohner gerecht zu werden und gleichzeitig einen Kompromiss mit dem feiernden Volk zu schließen. Der Schuss ging, will man Bands und Wirten glauben, nach hinten los. Der Grund: Bei der Lautstärke eines normalen Gruppengespräches Stimmung aufzubringen, scheint unmöglich.

Die Problematik offenbarte sich sowohl an dem Stand der "Schreinerei" unter dem zweiten Brückenbogen als auch auf der Weed in den Musikpausen. Allein die Stimmen der plaudernden Gäste überschritten die festgesetzte Marke mit gemessenen 69 Dezibel bei weitem. "Das Ganze ist eine Lachnummer", schimpft Gerd Hettich. Der Musiker tritt seit 10 Jahren mit seiner Gruppe "T-Birds" auf und fühlt sich "auf den Schlips getreten". Es sei gar kein Problem sich anzupassen, erklärt er aber 60 Dezibel seien in seinen Augen "einfach nicht haltbar".

Mit dieser Meinung steht Gerd Hettich nicht alleine da. Auch Ralf Baum betrachtet die Grenze als "viel zu tief angesetzt". Zusammen mit Regina Kessler betreibt er die Gaststätte "Schreinerei" und ist seit 20 Jahren auf dem Laternenfest zu finden. Bemüht um ein gutes Verhältnis zu den Anwohnern, hätten sie eine so genannte Nachtwache eingerichtet, die sich nach 24 Uhr darum kümmert, dass es ruhiger wird. Aber für die Lärmgrenze haben auch sie kein Verständnis. Im Februar hatten sie das Ordnungsamt aufgesucht und die Vereinbarung getroffen, dass die Anwohner "nicht mehr als nach den Umständen vermeidbar belästigt" würden.

Damit wich die so klar gesetzte Grenze einer eher schwimmenden Vorschrift, die in den Augen der Wirte aber notwendig zum Erhalt der Musik auf dem Laternenfestes ist.

Die Jugendlichen sind sich in der Angelegenheit nicht ganz einig. Viele sind mit der Lautstärke zufrieden, da könne man sich wenigstens unterhalten, so die 15-jährige Jil. Für den 18-jährigen Jan sind "60 Dezibel zu leise". Aber er ist froh, dass es "überhaupt was für Jugendliche gibt". Damit legt er den Finger auf die Wunde, denn viele Jugendliche fragen sich, wohin sie gehen sollen, wenn die Weed wieder ein ruhiges und lauschiges Plätzchen wird? O-Ton: "Wo können wir denn feiern?"

Wie der Wirt des Kaminstübchens, Alfred Schmadl, fragt sich da manch einer, ob "die Anwohner nicht ein Mal im Jahr ein Auge zudrücken könnten". Denn auf Grund der Lärmgrenze sinkt bei ihm nicht nur die Stimmung, sondern auch der Umsatz. Damit hat German Blaschek ebenfalls zu kämpfen. Beschwerden zwingen ihn dazu bei seiner Veranstaltung "Kolping grüßt Mayrhofen", eine dreiköpfige Blaskapelle einzusetzen. Am liebsten würde er die Zillertaler-Musik über eine große Anlage laufen lassen, damit sie die Leute von der Brücke unter den zweiten Brückenbogen lockt. Das können zur Zeit wohl nur die "T-Birds", die mit den Wirten dafür kämpfen, das in Bad Homburg nicht die Lichter ausgehen.

04.09..00 Taunus Zeitung
Uff de Bach: 360 Rühreier in drei Stunden und Kaffee satt

Von Heiko Rhode

Kirdorf. Ein Blick in die Augen der Gäste ließ gestern Morgen erahnen, wie lange am Samstagabend in den Straßen Bad Homburgs gefeiert wurde. Doch ans Ausschlafen hatten trotzdem nur wenige Kirdorfer ernsthaft gedacht. Der Duft von frischen Brötchen, leckeren Eiern und vielen weiteren Delikatessen zog schon am frühen Morgen mehr als 300 Menschen in das Festzelt der Heiterkeit. Die Verantwortlichen hatten für die kleinen und großen Besucher ein riesiges Frühstücksbüfett gezaubert. Für fünfzehn Mark gab's alles inklusive.

Um 6.30 Uhr war für den 1. Vorsitzenden des Carnevalverein Heiterkeit Rudi Schaller, seine Ehefrau Hildegard und für weitere fünfzehn fleißige Helfer die Nacht vorbei. Drei Stunden hatten die Männer und Frauen von da an Zeit, die vielen kalten und warmen Platten vorzubereiten. Rudi Schaller spezialisierte sich ganz auf Rühreier. Bis kurz vor 11 Uhr hatte er schon 360 Portionen zubereitet. Später vermeldete er Besucherrekord beim diesjährigen Frühstücksbüfett, das der Verein seit mittlerweile fünf Jahren ausrichtet. Es bildet zugleich den Höhepunkt der Heiterkeit-Aktivitäten am Kirdorfer Kreuz.

Das "Laternenfest uff de Bach", wie es im Homburger Stadtteil genannt wird, feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Vier Tage lang tobt wie in der Innenstadt auch im 450-Mann-Zelt in Kirdorf der Bär. Live-Bands sorgen jeden Abend für die musikalische Unterhaltung, Spezialitäten verwöhnen den Gaumen. Tradition hat auch der Besuch der Laternenkönigin am Samstagabend, kurz vor dem Start des Festumzuges. Beachtlich: In den vergangenen vier Jahren sind an den vier Festtagen laut Schaller durchschnittlich rund 3500 Menschen bei den Karnevalisten zu Gast gewesen.

"Die Leute nehmen unser Angebot sehr gerne an", freut sich Schaller. "Wenn es unser Fest nicht mehr gäbe, wären einige sicherlich sehr traurig", fügt der 61-Jährige hinzu. Schaller war bereits beim ersten "Laternenfest uff de Bach" mit von der Partie - zu jener Zeit noch als zweiter Vorsitzender. Die Idee zum Kirdorfer Festprogramm hatten die Vereinsmitglieder im Anschluss an die 25-Jahr-Feier ihres Spielmannszuges. "Als wir danach alle zusammensaßen, machte der damalige und heutige Schriftführer Hans-Joachim Wolf den Vorschlag, Laternenfest in Kirdorf zu feiern. Wir waren alle sofort begeistert", erinnert sich Schaller.

Um die Bewirtung im Festzelt kümmern sich rund 30 Vereinsmitglieder. "Wir arbeiten in Vier-Stunden-Schichten", erläutert der Vorsitzende. Übrigens: Der finanzielle Überschuss aus den vier Tagen kommt der 120 Personen umfassenden Jugendabteilung der Heiterkeit zu Gute. Von dem Geld sollen neue Kostüme gekauft werden.

04.09..00 Taunus Zeitung
Trotz grauen Himmels: Laternenfestzug lockt 140 000 an

Von Martina Dreisbach

Bad Homburg. Auf den Himmel ist Verlass. Zwar hält das Wolkenspiel alle in Atem. Aber etwas ist dran an dem alten Schneiderwort, dass es schön bleiben wird, lässt sich aus dem vorhandenen Blau auch nur ein Hemd schneidern. Es regnet nicht am Abend des 55. Laternenfestzugs, aber ist kalt und ungemütlich, viele ziehen das Wohnzimmer der Straße vor. Immerhin lockt das Spektakel 140 000 Zuschauer an.

"Die Leute sitzen noch vorm Länderspiel gegen Griechenland", sagt ein soignierter Herr, der mit seinen Enkeln an der Höhestraße steht. Aber dann wird der Menschensaum an der Promenade doch noch dichter. Niemand aber muss um seine Laterne bangen, und auch der Ordnungshüter Ecke Castillo/Höhestraße gerät nicht in Stress.

"Der Zoch kütt", ruft eine Rheinländerin. Aber als das Blaulicht der Polizei in der Ferne aufflackert, ist es schon nach 21 Uhr, die Popcorntüte fast leer und der Spannung genug. Wie ein Erkennungszeichen klingen die schweren Hufe der Licher Brauereipferde auf dem Asphalt. Angestrengt mahlen die Kaltblüter mit dem Gebiss. Ein Fässchen des guten Gebräus, das sie ziehen, würde den Zuschauern womöglich gut tun.

"Spiele und Spaß - wie schön ist das", lautet das weitgefasste Motto des Abends, das die Wagen ausschmückt, mal mit Schmiss, mal konventionell. Mit wirbelnden Bewegungen bringt die Showgruppe "Charisma" aus Königstein mit ihrem Fanfarencorps Leben in die Höhestraße, denen die "Musikspiele" der Freiwilligen Feuerwehr Dornholzhausen folgen. Natürlich darf der "Anton aus Tirol" nicht fehlen, den der Spielmannszug Harmonie mitbringt.

Überhaupt sind es die musikalischen Darbietungen und jungen Tänzerinnen der Karnevalsvereine, die das Herz erfreuen. "Endlich dürfen sie mal lange aufbleiben", sagt eine Zuschauerin mit Blick auf die Jüngsten, die mit blanken Augen munter Arme und Beine schwingen.

Elegant kommt das Gefährt der Laternenkönigin daher. Rostrot und beige, passend zum Kleid, der Begonienschmuck am Wagen, hell glühen die Lämpchen in die Nacht, und dass Kerstin II. auch glühend rote Wangen hat, steht ihr wirklich gut.

Dann naht die "Mutter von Monte Carlo"; lustig schwingen die grünen Fransen der Kasinolampe überm Spieltisch und die kalten Füße sind vergessen, als die "Strandszene" des E-Werks vorüberzieht. Kunstvoll die Masken der "Theaterspieler" auf dem Rosenwagen der Kur- und Kongress GmbH, derlei Augenschmaus hätte man sich mehr gewünscht.


Der Laternenfestverein lässt online über den schönsten Festwagen abstimmen. Unter www.laternenfest.de können Zuschauer bis Samstag ihren Favoriten bestimmen. Zu gewinnen gibt es zwei Eintrittskarten für die Taunus Therme. Der schönsten Wagen bekommt 200 Mark.

04.09..00 Taunus Zeitung

DRK-Frühschoppen: Promis, Politik und Erbsensuppe

Von Ulrike Treutler

Bad Homburg. Zum "Prominentenfrühschoppen" gegenüber dem Kurhaus hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gestern Vormittag geladen - und alles was in der Kurstadt Rang und Namen hat, war der Einladung gefolgt. Und so waren die Biertische vor der Commerzbank denn auch gut gefüllt.

Von Oberbürgermeister Reinhard Wolters (CDU) über Landrat Jürgen Banzer (CDU) bis hin zu den SPD-Spitzenkandidaten Axel Schlicksupp und Elke Barth hatten sich insbesondere die Vertreter der Lokalpolitik zahlreich zu einem Plausch eingefunden. Stadtverordnetenvorsteher Franz-Josef Ament (CDU) saß ebenso im Bier- und Grillgarten des DRK wie die Stadträte Wolfgang Herder (SPD) und Dr. Ursula Jungherr (CDU) oder auch die Landtagsabgeordnete der CDU, Brigitte Kölsch.

Und worum ging's? Natürlich - der Name war schließlich Programm - ums Essen. Insbesondere um die traditionelle DRK-Erbsensuppe, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, denn sie war bei den herbstlichen Temperaturen eine willkommene Aufwärmung. Kurdirektor Peter Bruckmaier biss allerdings lieber in die handfestere Bratwurst.

Neben dem Essen ging's natürlich vor allem um eines: Wann kommt die Laternenkönigin? Für zwölf Uhr hatte sich Kerstin II. mit ihrem Gefolge angesagt und diese Aussicht ließ auch die Promis nicht kalt. Besonders gespannt waren aber deren Kinder. Viktoria (6) und Sophia (4), zum Beispiel, die Töchter von Jörg Hölzer, dem Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft, konnten es kaum erwarten. Bereits um 20 Minuten vor zwölf rutschten sie unruhig auf ihren Plätzen hin und her und fragten ein ums andere Mal "Kommt sie jetzt endlich? Kommt jetzt die Laternenkönigin?".

Als Kerstin II. dann - auf die Minute pünktlich - mit ihrem Gefolge eintraf, hielt es die beiden nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie reihten sich in die Traube von Kindern ein, die binnen Sekunden die Königin umrankte, und kamen bald darauf glücklich - "schau mal, Papi" - mit einer Autogrammkarte zurück.

04.09..00 Taunus Zeitung
"Fahren Sie, besser kann's nicht werden"

Vertrauen in Wetterfrösche wurde belohnt, 140 000 Menschen sahen einen trockenen Laternenfestzug

Von Claudia Nenninger

BAD HOMBURG. Kurioserweise drohte Laternenkönigin Kerstin II. das Schicksal ihrer Namensvorgängerin. Kerstin I. war 1988 als "Regenkönigin" in die Geschichte des Bad Homburger Volksfestes eingegegangen, da unter ihrer Regentschaft der Laternenfestzug wegen Regens ausgefallen war. Angesichts der Wolkenbrüche, die das Festvergnügen am Wochenende immer wieder trübten, hatte der Organisationsausschuss am Samstag schon eine Absage in Erwägung gezogen. Doch das Wetteramt Offenbach rettete den Ruf der Königin: "Fahren Sie, besser kann's nicht werden", lautete um 18 Uhr die Vorhersage an den Laternenverein. "Wir lassen laufen, egal was passiert", gab daraufhin die Vorsitzende Kirsten Ohlrogge der Zugleitung grünes Licht für den Start.

Die Königin selbst nahm alle Aufregungen bemerkenswert gelassen: "Kleid und Haare können auch nass werden, wir feiern, ob's regnet oder schneit." Ihr souveränes Auftreten verdankt die 27-Jährige nach Ansicht der Organisatoren wohl auch einem Umstand, mit dem sie ihrerseits Laternenfestgeschichte schrieb: Zum ersten Mal ist die Laternenkönigin eine Mutter - und mit kleineren und größeren Katastrophen offensichtlich bestens vertraut. Außerdem ist sie die 50. Hoheit.

Vom Festzug zeigte sich Kerstin II. "ganz begeistert": "Menschenmengen stehen an den Straßen, die Tribüne ist voll, die Mühe der Wagenbauer hat sich gelohnt", freute sie sich mit ihren Untertanen am Kurhausgarten. Ihr Wagen, leuchtender Höhepunkt des traditionellen Lichterfestzuges, erhielt denn auch den lautesten Beifall. Die unzähligen Blumen, die samt Lichtern den königlichen Wagen schmückten, waren - ebenso wie der neue Thron - farblich mit der champagner- und cognacfarbenen seidenen Robe von Kerstin II. abgestimmt. Als Begleiter saßen ihr Sohn Dominic (8) und ihr Bruder Maximilian (9) mit auf dem Wagen. Im Gegensatz zur Königin waren die beiden allerdings so von dem Erlebnis überwältigt, dass sie das Winken ganz vergaßen.

Unter dem Motto "Spiel und Spaß - wie schön ist das" bahnten sich 19 Festwagen und 15 Musikzüge ihren Weg von Kirdorf zum Europa-Kreisel - ohne dass ein einziger Regentropfen vom Himmel fiel. Nach Schätzungen der Veranstalter säumten rund 140 000 Menschen die Straßen, etwa 60 000 weniger als im Vorjahr. Der nach Angaben von Kirsten Ohlrogge längste Festzug seit 20 Jahren sollte eigentlich noch einen Festwagen mehr präsentieren. Doch wegen eines Achsenschadens konnte die SGK Bad Homburg nicht mitfahren.

Viel Applaus ernteten die drei Zugneulinge: Der Hessische Turnverband warb mit "Turnfestspielen" für das Landesturnfest 2001 in Bad Homburg. Der Betriebshof der Stadt zeigte mit einem Riesenroulette, Spieltisch und Spielautomaten "Glücksspiele". Umrahmt von Palmen und bunten Bällen demonstrierten "Alte Herren" der SG Ober-Erlenbach "Ballspiele".

Nach der Begeisterung der Zuschauer zu urteilen, reihten sich auch der Kleingartenbauverein ("Würfelspiele"), die Freizeitgemeinschaft 17 e.V. ( "Science-fiction-Spiele"), der Laternenfestverein ( "Wasserspiele") und der Homburger Carneval Verein ( "Maskenspiele"), der nach längerer Pause wieder mitmachte, in die Liste der Anwärter auf eine Wagen-Prämierung ein. Der Bad Homburger Grafiker Wilfried Boese hatte wie in der Vergangenheit die Entwürfe für die Motivwagen der Vereine gezeichnet.

Mit dem Laternenumzug der Kinder und einem Feuerwerk geht das größte Volksfest im Hochtaunuskreis heute zu Ende

03.09..00 Frankfurter Rundschau
LATERNEN-SPLITTER

Laternchen, klassisch

In Bad Homburg, der laut Laternenfestverein einzigen Stadt in Deutschland, die einen großen Festumzug bei Nacht veranstaltet, läuft das Geschäft mit Lichtern bestens. Das bestätigten die Lichterhändler. Neu im Sortiment waren Leuchthunde. Am meisten gefragt war das klassische Laternchen, rot oder grün leuchtend.

Schlossgeist

Laternenkönigin Kerstin II., die weder Regen noch kühle Temperaturen aus der Ruhe bringen konnten, musste einmal um ihre königliche Fassung ringen. Bei der Besichtigung des Schlosses, dessen Räume zu Ehren des Festes mit 1000 Kerzen stilgerecht beleuchtet wurden, erschreckte ein Schlossgeist die Hoheit mit Gefolge. Er hatte sich in jenem "Schrank" versteckt, der die Toilette der Landgrafenresidenz kaschiert. Unter dem Bettlakenkostüm verbarg sich Marc Wachter, der Ehemann der Königin. Kerstin II. erkannte ihn noch bevor er sich zu erkennen gab - am Hemd, das aus der Verkleidung hervorlugte, wie die Königin wieder mit Fassung erklärte.

Laras Bauchweh

Ausgerechnet Lara konnte die Premiere des Festzugs am Samstag nicht miterleben. Die zwei Jahre alte Tochter der Laternenkönigin bekam plötzlich Bauchweh und musste mit Papa Marc Wachter zu Hause bleiben.

Bröckelnde Burg

Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes musste seinen Festwagen vor dem Umzug am Samstag noch überraschend reparieren. Wochenlang hatten Aktive ehrenamtlich eine beeindruckende Burg aus Gips für ihr Motiv "Burgspiele" gebaut. Die hohe Luftfeuchtigkeit der vergangenen Tage hatte dem Kunstwerk jedoch so zugesetzt, dass von der Burg einzelne Brocken herabgefallen waren.

Keine "Wassermusik"

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hatte seine Musikbühne am Kurhaus vor Regen sicher geschützt: "Schließlich steht keine Wassermusik auf unserem Programm", sagte Geschäftsführer Gerd Bayer. Die Band "Amadors" spielt dort heute ab 12 Uhr. Und Erbsensuppe ist auch noch da - etwa ein Drittel weniger Portionen als üblich gab das DRK aus.

Kein Jazz und Swing

Wegen Regens fiel am Freitagabend die Veranstaltung "Jazz und Swing" mit der Caravan Big Band im Schlosshof aus. "Eine halbe Stunde später hätte die Veranstaltung doch noch stattfinden können", stellte der Laternenfestverein als Veranstalter fest und will künftig "flexiblere Absagen" in Erwägung ziehen.

Schlamm oder Staub

"Warum kann die Stadt den Festplatz am Heuchelbach nicht besser befestigen lassen?" war - wie fast jedes Jahr - die meist gehörte Klage der Rummelplatzbesucher. Dieses Jahr präsentierte sich der Platz als "Schlammwüste" mit riesigen Pfützen. Bei trockenem Wetter sorgt jede Menge Staub für Ärger.

Sprinkler gegen Pinkler

Die Bewohner der Altstadt wappneten sich wie immer, um ihre Vorgärten und Höfe davor zu schützen, als Toiletten missbraucht zu werden. In der Regel versperrten Gitter den Zugang. In einer Einfahrt Hinter den Rahmen überraschte jedoch eine kalte Dusche unerwünschte Besucher: Die Hausherren hatten eine Sprinkleranlage auf dem Garagendach installiert. cn

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03.09..00 Frankfurter Rundschau
Kerstin II. muss die Muskeln noch trainieren

Dunkle Wolken hingen schwer über dem Kurpark, nass waren die Wiesen und kühl war's - doch dem sonntäglichen Kinderfest auf der Wiese an der Russischen Kapelle hat der unfreundliche Herbsttag nicht geschadet. "Wir sind angenehm überrascht", hieß es am Stand der Kartenverkäufer und beim Technischen Hilfswerk, das die bunten Luftballone für deren Reise in den verhangenen Himmel über dem Kurpark aufgepustet hatte.

Es war ein Ansturm wie gewohnt. Die Wiese war von 9 bis 13 Uhr ein von Kindern und Erwachsenen dicht bevölkerter Spielplatz. Mehr als 300 Spielkarten wurden verkauft. Kinder beteiligten sich an den traditionellen Laternenfest-Spielen: Sackhüpfen, Mülltonnen-Rennen, Glücksraddrehen oder Torwandschießen. 13 Spiele konnten zum Preis von fünf Mark absolviert werden. Laternenkönigin Kerstin II. hatte sich zum Wettstreit unter die Kinder gemischt. Beim Tauziehen gab es auf ihrer Seite allerdings einige enttäuschte Bubengesichter: Kerstin II. hatte den Jungs nicht die erhoffte Muskelkraft gebracht - locker zogen die Gegner die Seilschaft um die Laternenkönigin über den glitschigen Rasen.

Zu den Dauergästen des Kinderfestes gehört mittlerweile das Drum- und Bugle -Corps der Höchster Schlossgarde. Die Musiker und drei Kinder- und Jugendgruppen stellten ihr neues Programm vor. off

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04.09..00 Taunus Zeitung
Tauziehen, Torwandschießen und Teletubbies sammeln

Von Ulrike Treutler

Bad Homburg. Beim großen Kinderfest auf der Wiese hinter der Russischen Kirche ging es am Sonntagvormittag hoch her. Da konnte man schon mal ins Stolpern kommen, so wie Nele (3), die in der Aufregung prompt auf die gerade ergatterte Autogrammkarte der Laternenkönigin trat. Sofort war das Kinderschminken vergessen, das eigentlich als Nächstes auf dem Programm stand. "Mami, kann ich noch mal zur Königin?", drängte sie ein ums andere Mal.

Dass Kerstin II. nicht nur Mädchen zu ihren Fans zählt, zeigte sich bei dem Kinderfest deutlich. Auch "harte" Jungs wie der zehnjährige Marcel und der neunjährige Markus bekamen glänzende Augen, als die Königin ihr Foto für sie signierte. Dass ihre Majestät beim Torwandschießen nicht sehr erfolgreich war, störte die beiden nicht.

Das Torwandschießen war nur eines der vielen Spielangebote beim Kinderfest. Neben traditionellen Rennern wie Tauziehen, Sackhüpfen und Eierlauf konnten sich die Kleinen im Brezelbeißen, Mülltonnenrennen und vielem mehr versuchen. Am Ende des Parcours winkten Preise wie Seifenblasen und Teletubbies-Masken.

Bad Homburgs Nachwuchs hüpfte, hämmerte, warf und lief, dass es eine Freude war. Wer eine Pause brauchte, konnte sich in der Kindereisenbahn durch den Kurpark kutschieren lassen.

Für musikalische und tänzerische Unterhaltung sorgten die verschiedenen Gruppen des "Skyline Drum- and Bugle-Corps" aus Frankfurt. Besonders die bunt glänzenden Fahnen, die eine Mädchentanzgruppe der Skyliners zu Pophits wie "Easy Lover" oder "One Moment In Time" schwangen, hatten es vielen kleinen und großen Besuchern angetan.

Die riesige Traube bunter Luftballons, die ans obere Ende der Spielwiese lockte, verkleinerte sich im Laufe des Vormittags zusehends, als immer mehr der Ballons - mit Adresskärtchen versehen - in den Himmel aufstiegen, um hoffentlich an einem weit entfernten Ort gefunden zu werden.

 

01.09..00 Taunus Zeitung

Dem OB sei Dank: Laternenfest ist eröffnet

Von Michel Wacker

Bad Homburg. Fünf gezielte Schläge - und der Zapfen war drin. Gekonnt eröffnete Oberbürgermeister Reinhard Wolters (CDU) gestern Nachmittag mit dem Fassanstich das Laternenfest 2000. Laternenkönigin Kerstin II. hatte passen müssen. Da ihr prachtvolles Kleid sie daran hinderte, selbst den Hammer zu schwingen, sprang der OB ein. Und er enttäuschte Kerstin nicht. Ihr Kleid blieb trocken - zumindest vom Bier, denn dunkle Regenwolken überschatteten den feierlichen Anstich am DRK-Stand.

"Wir vertrauen auf Petrus", hatte Stadtverordnetenvorsteher Franz-Josef Ament (CDU) kurz zuvor noch gesagt - sprach's, und die Wolken öffneten ihre Schleusen. Somit waren auch Wolters' Hoffnungen dahin geschmolzen, ein regenfreies Laternenfest zu erleben. Aber sein Optimismus war nicht zu brechen - und so begrüßte er Bad Homburger und Besucher mit einem breiten Lächeln. Zuvor war die Laternenkönigin leicht verspätet ihrem weinroten Cabrio entstiegen und hatte alle Umstehenden eingeladen: "Genießen sie mit mir das Fest!"

Pünktlich zum Fassanstich brach dann doch noch die Sonne durch die Wolken. So musste Kerstin II. alle großen und kleinen Autogrammjäger nicht im Regen stehen lassen. Mit Widmung und Unterschrift auf den Fotokarten zauberte sie auch so manchem großen Kind ein Funkeln in die Augen. Nach einer Viertelstunde hieß es dann: Weiterfahren und winken, denn die Königin hat einen Terminplan wie ein hoch bezahlter Manager. Rund zwölf Stunden am Tag ist sie an jedem der vier tollen Tage in Bad Homburg unterwegs. Von Altenheim bis Juwelier, vom Krankenhaus bis zum Kinderfest - über 30 Termine stehen im Kalender.

Aber Kerstin II. sieht allem locker entgegen. "Ich lerne so viele nette Leute kennen", erzählte sie. Dadurch empfinde sie nur "positiven Stress" und freue sich auf alle Termine. Einen Zwischenstopp in der Landgraf-Ludwig-Schule hat sie selbst gewählt. Dort besucht ihr Sohn die dritte Klasse und wird sie am Montag gemeinsam mit den anderen Schülern begrüßen. Auch bei dem Festumzug ist Dominic dabei und fährt auf dem Wagen mit.

01.09.00 Frankfurter Rundschau
Mediterrane Windhunde und Rock unter Laternen

Laternenfest 2000: Radio Megahertz ist wieder auf Sendung / Am Heuchelbach locken galaktische Abenteuer

Von Günther Scherf

Nina Hagen kommt nicht, wohl aber die englische Rhythm'n'blues-Legende Dr. Feelgood, dazu mehr als hundert echte Windhunde, die einem falschen Hasen nachjagen, und natürlich jede Menge Karussells: Um 14.30 Uhr eröffnen heute Laternenkönigin Kerstin II. und Oberbürgermeister Reinhard A. Wolters das Bad Homburger Laternenfest 2000.

BAD HOMBURG. Im Radio hat das Fest schon am Mittwoch begonnen. Seitdem sendet Radio Megahertz auf Kanal 107,5 (im Kabelnetz auf 87,6) täglich von 6 bis 24 Uhr live aus Bad Homburg. Zum vierten Mal haben sich junge Leute aus dem Verein Radio Megahertz Urlaub oder dienstfrei genommen, um aus einem Studio im Maritim-Hotel Musik, Nachrichten und Informationen rund um die Kurstadt und ihr Heimatfest auszustrahlen.

Ungefähr ebensoviel Musik, aber nicht im Äther, sondern an Ort und Stelle hörbar, bietet der Verein "Kulturkiste", der an allen vier Festtagen im Hof in der Neuen Mauerstraße 13 ein Alternativprogramm zum großem Festrummel speziell für junge Leute anbietet: "Rock unter der Laterne". Heute Abend spielt von 20 Uhr an die Hardcoreband "Lore" aus Offenbach. Die kroatische Heavy-Metal-Band "Amnesia" habe kurzfristig abgesagt, teilten die Veranstalter gestern mit. Gegen 22 Uhr folgt die Gruppe "M.E.L.T.". Am Samstag gibt es von 17 Uhr an Rock im Hof, unter anderem mit "Tinnitus Mask" (ab 22 Uhr), am Sonntag von 20 Uhr an. Davor werden am Sonntag von 15 Uhr an verschiedene Straßenkünstler erwartet, noch früher, von 11 bis 15 Uhr, ist ein Flohmarkt angesagt. Am Montag wird von 19 Uhr an gerockt, anfangs mit der Gruppe "Wonderbra" und zum Finale ab 21.30 Uhr, wenn andernorts die ersten Zelte abgebaut werden, mit Dr. Feelgood.

Auf Nina Hagen, von der "Kulturkiste" noch im Dezember angekündigt, hat man laut Vereinssprecher Jürgen Brogsitter verzichtet, weil die extravagante Rock-Röhre derzeit ein deutschsprachiges Programm mit Musik der 30er Jahre anbiete: "Das hätte nicht zu uns gepasst. Vielleicht kommt sie später mal."

Wer die leiseren Töne bevorzugt, ist vielleicht bei den pfeilschnellen Vierbeinern besser aufgehoben. Am Samstag küren der Frankfurter Club für Windhundrennen und der Kur- und Verkehrsverein von 10 Uhr an im Jubiläumspark die Schönsten ihrer Art; erstmals sind auch mediterrane Windhundrassen aus Sizilien, von den Balearen, den Kanarischen Inseln und aus Portugal dabei. Am Sonntag rennen die Tiere von 10 Uhr an um die Wette. Gegen 14 Uhr werden die Finalläufe gestartet.

Neue Karussells stellen sich von heute Nachmittag an auf dem Festplatz am Heuchelbach vor. Ralf Seebach, der die Verpflichtung der Fahrgeschäfte im Rathaus organisiert, kündigt unter anderem den "Adventure Shuttle" an: eine "außergewöhnliche Simulationsanlage, die das Publikum durch unbekannte Galaxien und zu mystischen Stätten reisen" lasse. Selbst die Düfte in dem einem Raumschiff ähnlichen Fahrgeschäft werden den jeweiligen Zielen der Fahrt angepasst.

Wie jedes Jahr wird ein 38 Meter hohes Riesenrad auf dem Festplatz seine Runden drehen, wie jedes Jahr will eine Geisterbahn ihre Besucher das Gruseln lehren - und wie jedes Jahr steht auf dem Schlossplatz ein Pferdekarussell im Stil des 19. Jahrhunderts mit mehr als 2000 Lichtern. Die Innenstadt ist rund um die Louisenstraße, auf der unzählige Wein-, Bier-, Losbuden und sonstige Schaubuden aufgebaut sind, an allen vier Tagen für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Auch die Linienbusse fahren Umleitungen.

Die beiden Laternenfestzüge starten an Samstag und Sonntag jeweils um 20.30 Uhr: am Samstag am Usinger Weg in Kirdorf, am Sonntag in der Hewlett-Packard-Straße in Ober-Eschbach. Der Umzug am Samstag läuft über Promenade und Ferdinandstraße zum Europa-Kreisel, der am Sonntag dreht eine Runde um Schöne Aussicht, Kurhaus, Schwedenpfad und Promenade, um sich an der Russischen Kirche aufzulösen.

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01.09..00 Taunus Zeitung
Höhepunkte beim Laternenfest

Von Peter Schiebel

Bad Homburg. Abseits vom Rummelplatz, mitten im Trubel bietet das Laternenfest jedes Jahr eine Reihe von Höhepunkten. Hier - kurz und knapp - eine Auswahl:
 Noch vor der offiziellen Eröffnung gibt sich Kerstin II. am heutigen Freitag von 10 bis 11 Uhr in der Taunus-Sparkasse im Kurhaus die Ehre und verteilt Autogramme.
 Um 14.30 Uhr ist die Laternenkönigin dann wenige Meter entfernt am Stand des Deutschen Roten Kreuzes zu Gast und nimmt - mit Unterstützung durch Oberbürgermeister Reinhard Wolters - den Fassanstich vor. Damit ist das Laternenfest 2000 offiziell eröffnet. Das DRK bietet - wie in jedem Jahr - eine ganze Menge. Dazu gehören diesmal eine "Riesen-Überraschungsparty" (Freitag, nach dem Anstich), Live-Musik mit den "Amadors" und ein Kinderfest mit Clown Klinki (Sonntag, 12 bis 18 Uhr). Nicht vergessen: Am Sonntag um 11 Uhr beginnt der Prominentenfrühschoppen; von 10 bis 17 Uhr informiert das DRK zudem über das Freiwillige Soziale Jahr.
 Fester Bestandteil des Laternenfestes ist auch das Schloss im Kerzenschein. Die Besichtigungen finden statt am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 19 Uhr (letzter Einlass: 18.30 Uhr). Bereits am heutigen Freitag gibt es um 17.30 Uhr in der Bibliothek des Schlosses Märchen und Harfenmusik für Kinder und Erwachsene zu hören. Mit von der Partie sind mit dem Erzähler Manfred A. P. Bastian und der Harfenistin Katja Leber zwei Meister ihres Fachs.
Deutlich lautere Töne erklingen bei der Kulturkiste im Hof der Neuen Mauerstraße 13, wo an den vier Tagen neun Bands auftreten. Freitag: 20 Uhr "Lore", 22 Uhr "M.E.L.T.". Samstag: 17 Uhr "Teen Spirit", 20 Uhr "Same choice", 22 Uhr "Tinnitus Mask". Sonntag: 20 Uhr "No better days, 22 Uhr "Milagro". Montag: 19 Uhr "Wonderbra", 21.30 Uhr "Dr. Feelgood". Am Sonntag gibt's von 11 bis 20 Uhr zudem ein buntes Programm und einen Garagen-Flohmarkt.
Live-Musik präsentiert auch das "Classic Rock Café" in der unteren Louisenstraße, und zwar am Samstag und Sonntag, wenn der Umzug dort vorbeikommt. Am Samstag ist Carlos Zelada mit seiner Band zu Gast, am Sonntag "The Stage Band" - Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.
Neben Vereinen, Gastronomen und Schaustellern sind beim Laternenfest natürlich auch die Politiker mit von der Partie. Die SPD präsentiert in der oberen Louisenstraße "Schwarzbier bei den Roten". Den Fassanstich nehmen die Spitzenkandidaten Axel Schlicksupp und Elke Barth heute um 16 Uhr vor. Die Junge Union hat ihren Stand gegenüber dem Kurhaus aufgebaut. Dort werden am Sonntag um 11 Uhr die am Dienstag gewählten Spitzenkandidaten der CDU zu einem politischen Frühschoppen erwartet.
Kein Laternenfest ohne die Windhunde: Die Jagd nach dem falschen Hasen findet traditionell im Jubiläumspark statt. Die Ausstellung des in Frankfurt ansässigen Club für Windhundrennen eröffnet am Samstag um 10 Uhr. Erstmals dabei sind die mediterranen Rassen von Sizilien, den Balearen, den Kanarischen Inseln und aus Portugal. Die Rennen beim 41. Bad Homburger Windhund-Festival beginnen am Sonntag um 10 Uhr. Agility-Vorführungen sind von 12.30 bis 13.30 Uhr geplant, ehe um 14 Uhr die Finalläufe starten.

31.8.00 Frankfurter Rundschau
Das Schloss im Kerzenschein Bad Homburg lädt zum Laternenfest mit Windhund-Festival

BAD HOMBURG. Ein Schloss im Glanz von 1000 Kerzen und eine Königin im Licht von noch mehr Lampions: die Taunus-Kurstadt Bad Homburg lädt wieder zum Laternenfest. Von Freitag, 1., bis Montag, 4. September, wird das traditionsreiche Heimatfest auf den Straßen der Innenund Altstadt gefeiert - und auf dem Festplatz am Heuchelplatz, wo das gute alte Riesenrad neben High-Tech-Fahrgeschäften wie "New Comer" oder "Adventure Shuttle" stehen.

Drei Festzüge werden durch die Straßen Bad Homburgs rollen: zweimal, an Samstag und Sonntag jeweils von 20.30 Uhr an, der offizielle Laternenfestzug. 20 von Vereinen gebaute und lichtergeschmückte Motivwagen unter dem Motto "Spiel und Spaß - wie schön ist das" werden begleitet von zwölf Musikzügen. Im Mittelpunkt steht der Wagen der Laternenkönigin Kerstin II., der inoffiziellen Herrscherin für vier Tage. Um die Königin dreht sich auch alles, wenn am Montag von 20.30 Uhr an Hunderte von Kindern mit Lampions, die sie selbst in Schulen und Vereinen gebastelt haben, vom Kurzentrum am Elisabethenbrunnen zum Jubiläumspark ziehen. Dort klingt das Volksfest gegen 21.15 Uhr mit einem Feuerwerk aus.

Zuvor ist jede Menge los: Zum Beispiel das 41. Bad Homburger Windhund-Festival, bei dem die schlanken Vierbeiner am Sonntag von 10 Uhr an im Jubiläumspark um die Wette laufen.

Die Schauräume im Schloss der Landgrafen werden an Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18.30 Uhr mit Kerzen erleuchtet. Im Schlosshof spielt die Caravan Big Band am Freitag von 19.30 Uhr an Jazz und Swing. Und an allen vier Tagen wird beim Verein Kulturkiste im Hof in der Neuen Mauerstraße 13 kräftig gerockt. che

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28.8.00 Taunus Zeitung
Erste Mutter auf dem Thron
Kerstin II. offiziell im Amt

Von Michael Jacob

Bad Homburg. An diesem Samstagnachmittag passte einfach alles: strahlender Sonnenschein, beste Laune, gutes Programm. Auf einem edlen Rappen ritt Kerstin II. in den Kurpark ein, um von Ralf Hübenthal elegant aus dem Damensattel geholfen zu bekommen. Es war der erste ganz große Auftritt der 27-Jährigen und wohl einer der einschneidendsten Momente in ihrem Leben: Kerstin Wachter sollte in wenigen Minuten zur neuen Laternenkönigin gekürt werden.

Viele Hundert Zuschauer waren gekommen, um dem Ereignis in der Brunnenallee beizuwohnen. Mit Evergreens und Melodien von Gershwin überbrückte das symphonische Blasorchester Wixhausen Umbaupausen und sorgte für swingende Unterhaltung.

Linda Ulherr aus Rodheim zeigte bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt weder Scheu noch Lampenfieber. Sie präsentierte souverän einen schwungvollen Showtwirl. Tänzerisch scheint Rodheim ein Nest für Talente zu sein, denn auch der Hessenmeister und Deutsche Vizemeister im Show-Solo-Tanz, Michael Mutz, kommt aus der Gemeinde. Mit seinem Tanz "Der Mann mit der steinernen Maske" begeisterte er sein Publikum.

Natürlich dürfen bei einer Inthronisation der Bad Homburger Laternenkönigin einheimische Vereine nicht fehlen. Der Jugendchor der Kolpingfamilie Kirdorf unter der Leitung von Solveig Wagner spendete fetzige Melodien aus "Mary Poppins" und "Cats" sowie unsterbliche Hits wie "Lolli Pop" oder "Oh When The Saints".

Und dann war es endlich so weit. Die Spannung steigerte sich schier ins Unermessliche, bis Moderator Thomas Adolph endlich verkünden konnte, dass die amtierende Laternenkönigin Jennifer I. in einem Mercedes Cabrio heran chauffiert wurde.

Jennifer I. dankte allen Bad Homburgern für die schönen Stunden, die sie mit ihnen verbringen durfte. "Ich sehe die Insignien der Regentschaft auch als Symbol für Freude und Glück", sagte sie. Mit einem ernsten Unterton mahnte sie vor allem die Erwachsenen, sich während des Laternenfestes nächstes Wochenende wieder einmal richtig Zeit zu nehmen.

Und dann trug der sechsjährige Friesenhengst "Iben" Kerstin Wachter durch die Brunnenallee zur Konzertmuschel, wo sie aus den Händen ihrer Vorgängerin und zu den feierlichen Klängen die Insignien der Macht entgegennahm.

Kerstin II. versprach ihrer Zuhörerschar, jede Sekunde des Festes zu genießen. Jahrelang habe sie in der Menge gestanden und ihren Vorgängerinnen zugeschaut. Niemals habe sie daran gedacht, selbst auf dem Thron der Laternenkönigin zu sitzen - umso größer sei jetzt die Freude. Darüber hinaus sei es eine große Ehre, in diesem Jahr das Amt übernehmen zu können: "Ich bin die 50. Laternenkönigin, die erste Laternenkönigin im neuen Jahrtausend und die erste Mutter auf dem Thron."

Hochrangige Gratulanten reihten sich ein in die Schar derer, die der frisch gekrönten Majestät huldigen wollten, allen voran Stadtverordnetenvorsteher Franz-Josef Ament und Oberbürgermeister Reinhard Wolters (beide CDU). Und dann durften die Kinder die Bühne stürmen, um sich eine der lang ersehnten Autogrammkarten zu ergattern.

28.8.00 Taunus Zeitung

Krönungsabend mit Vampiren, flotten Tänzern und einigen Überraschungen

Bad Homburg. Seit vielen Jahren gehört der Ball der Laternenkönigin im Anschluss an die Inthronisation zu den Krönungsfeierlichkeiten dazu. In diesem Jahr war die von Sabine und Joschi Schalmayer organisierte Festivität im Café im Kurpark von einigen Überraschungen geprägt.

Zunächst schritt die frisch gekrönte Kerstin II. über einen roten, mit Laternen gesäumten Teppich ins festlich illuminierte Café. Nach einem Stepp-Showtanz der Jugendgruppe der Tanzschule Harscher-Engel aus Seulberg folgte der erste Clou: Sabine Schalmayer hatte die Steppschuhe von Kerstin heimlich beigebracht - die 27-Jährige war einst nämlich selbst Schülerin bei Harscher-Engel. Jetzt legte sie gemeinsam mit den Kindern eine kesse Sohle aufs Parkett - ein gelungener Einstand in einen ungezwungenen Ballabend.

Auch mit den nächsten Gästen war Kerstin II. bestens vertraut: Aus Oberursel kamen die "Harmonisten", die in bester Manier die legendären Comedian Harmonists kopierten. Das sechsköpfige, hervorragend musizierende Ensemble war bereits bei der Hochzeit von Kerstin und Mark Wachter zugegen. So gab es nicht nur die verdienten Küsschen, sondern auch die königliche Order: "Ich befehle Euch, noch eine Zugabe zu geben."

Als es längst dunkel geworden war, bat Joschi Schalmayer alle Gäste nach draußen in den Kurpark. Dort stand im Schatten der ehrwürdigen Kastanien ein steinerner Altar. Nebel und bizarre Lichteffekte tauchten die Brunnenallee in ein diffuses Zwielicht. Und dann traten sie aus dem Schatten der Bäume - die Vampire der Nacht. In einer gut choreografierten und prächtig maskierten Show präsentierten die Mitglieder des Tanzballetts Frohsinn Oberursel eine schaurig-spektakuläre Zusammenfassung des Musicals "Tanz der Vampire".

Zu den Klängen der Band "Skyline" aus Neu-Anspach mit der großartigen Sängerin Judith Mosler aus Bad Homburg tanzten die Besucher des Krönungsabends anschließend bis weit nach Mitternacht. Zwischen den Gästen wuselten zwei Knaben herum, die auf neugierige Fragen bestens vorbereitet waren.

Sie hatten sich Schilder an die Brust Schilder geklebt: "Bruder der Laternenkönigin" und "Sohn der Laternenkönigin" waren da zu lesen. Die Namen Maximilian und Dominic sollte man sich für die vier tollen Tage in Bad Homburg wahrlich merken. (min)

25.8.00 Taunus Zeitung
Der ganze Laternenfestzug im Internet

Von Stefanie Heil

Bad Homburg. Tradition und Technik passen durchaus zusammen - das will der Laternenfestverein jetzt beweisen. Indem die schönsten Wagen des Festumzugs wieder vom Publikum gewählt werden sollen, lebt eine alte Tradition auf. Doch nicht mehr - wie einst - per Kärtchen sollen die Festbesucher votieren, sondern im Internet. "Das ist ein Versuch", erklärt Ralf Hübenthal vom Laternenfestverein, der auch die Homepage gestaltet. Er will Fotos aller teilnehmenden Wagen machen und zur Abstimmung ins Netz stellen.

Der Laternenfestverein setzt bei diesem Exempel auch auf die Schnelligkeit des Mediums Internet. Hübenthal hofft, dass die ersten schon nach dem Zug am Samstag ihre Stimme online abgeben. "Dann können wir bei der Kommentierung am Sonntag bereits einen Zwischenstand vermelden", erklärt er.

Der jeweils aktuelle Stand soll freilich auch im Internet stehen. Eine Woche soll die Abstimmung laufen, bevor die Sieger feststehen und prämiert werden. Wer das Formular im Netz mit E-Mail-Adresse und postalischer Anschrift komplett ausfüllt, hat sogar die Chance, zwei Eintrittskarten für die Taunus Therme zu gewinnen.

Die Bauer der schönsten Wagen gehen natürlich auch nicht leer aus. Sie bekommen jeweils 200 Mark - quasi als Starthilfe für das kommende Jahr. Fünf Wagen werden insgesamt ausgesucht - zunächst allerdings nur einer davon übers weltweite Netz. Wenn die Resonanz groß genug ist, könnten es beim nächsten Mal schon alle fünf sein. Die übrigen vier Gewinner ermittelt - wie in den vergangenen Jahren - der Laternenfestverein.

Die seit März vergangenen Jahres bestehende Homepage des Vereins hat natürlich weit mehr zu bieten. Dort gibt's zahlreiche Infos zum Fest wie beispielsweise die Zugfolge, die Porträts sämtlicher Königinnen und das Programm. "Während des Festes aktualisiere ich die Seite täglich", verspricht Ralf Hübenthal.

Der 33 Jahre alte Informatiker pflegt die Homepage übrigens von der australischen Olympia-Stadt Sydney aus. Dort hat es den Bad Homburger für vier Jahre beruflich verschlagen, übers Laternenfest macht er - Ehrensache - drei Wochen Heimaturlaub in der Kurstadt.

Hübenthal ist nicht der Einzige, der aus der Ferne auf die Homepage schaut. Bis jetzt sind schon über 6400 Zugriffe auf die Seite registriert, darunter auch vom "alten Homburger Peter", der 1962 zuletzt beim Laternenfest war und mittlerweile in Kanada lebt. Er hat sich genauso ins Gästebuch eingetragen wie ein ehemaliger KFS-Schüler, der jetzt in England zu Hause ist.

25.8.00 Taunus Zeitung
Krönung und bunter Abend:
Die Stadt huldigt Kerstin II.

Bad Homburg. Nur noch eine Nacht - dann hat Bad Homburg auch offiziell eine neue Königin. Kerstin II. erhält am morgigen Samstag im Kurpark die Insignien der Macht. Die Inthronisationsfeier beginnt um 16.30 Uhr in der Konzertmuschel im Kurpark. Mit von der Partie sind das Blasorchester der TSG Wixhausen und der Jugendchor der Kolpingfamilie Kirdorf.

Am Abend geht es im Café im Kurpark weiter. Es ist von 19.30 Uhr an Gastgeber für den Krönungsabend. Dort erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm. Die Band "Skyline" aus Neu-Anspach spielt zum Tanz - von Rock 'n' Roll über Oldies und Pop bis Dancefloor. Außerdem dabei sind die Kinderstepptanzgruppe der Tanzschule Harscher-Engel, die A-cappella-Formation "Harmonisten" und das Ballett des Karnevalvereins Frohsinn aus Oberursel, dass ein Stück aus dem "Tanz der Vampire" aufführt.

Der Vorverkauf für den Krönungsabend läuft im Fremdenverkehrsbüro im Kurhaus, Telefon (0 61 72) 17 81 10, und im Café im Kurpark, Telefon (0 61 72) 45 87 17. Preis pro Karte: 15 Mark. (ps)

12.8.00 Taunus Zeitung
Für die 50. Königin gibt's einen eigenen Thron

Von Stefanie Heil

Bad Homburg. Vier Tage Ernst und Traurigkeit beiseite lassen und statt dessen fröhlich und ausgelassen feiern - das sollen die Besucher des Laternenfestes. Da passt das Festmotto im Jahr 2000 prima: "Spiel und Spaß - wie schön ist das" heißt es von Freitag, 1., bis Montag, 4. September. Laternenkönigin Kerstin II. und die Vorsitzende des Laternenfestvereins, Kirsten Ohlrogge, stellten gestern das Festprogramm vor, an dessen Planung und Vorbereitung gut 30 Leute beteiligt waren und dessen Gesamt-Etat rund 190 000 Mark beträgt.

Herz des Heimatfestes sei neben der Königin, so Ohlrogge, der Festzug. "Es ist der längste Umzug seit langem", verkündete die Vorsitzende stolz. Allein 20 Motivwagen werden sich am Samstag- und Sonntagabend durch die Stadt schlängeln. Erstmals baut der städtische Betriebshof einen eigenen Wagen, einmalig soll der Auftritt des Hessischen Turnverbands sein - als Werbung für das Landesturnfest, zu dem die Sportler im Juni 2001 in Bad Homburg zusammenkommen.

Die Zugteilnehmer marschieren die bekannten Routen. Abmarsch ist um 20.30 Uhr, am Samstag in Kirdorf, am Sonntag in Ober-Eschbach. Wer dort immer am Straßenrand steht, kann durchatmen: "Die Stadt hat mir zugesichert, dass die Bauarbeiten in der Ober-Eschbacher Straße bis dahin abgeschlossen sind", erklärte Ohlrogge.

Neuerungen bringt auch die Regentin - Kerstin II. ist übrigens die 50. Laternenkönigin - mit sich. Sie ist die erste, die auf einem eigenen Thron Platz nimmt. Während ihre Vorgängerinnen auf einem geliehenen saßen, hat der Laternenfestverein nun einen eigenen majestätischen Stuhl in Auftrag gegeben. Dieser ist in Weiß und Gold gehalten, die 1,80 Meter hohe Rückenlehne stellt eine Laterne dar. Die Königin wird nicht allein von ihrem Wagen herab winken - mit dabei sein werden auch ihr Sohn Dominic (8) und ihr Bruder (!) Maximilian (9). Töchterchen Lara (2) sei dafür aber noch zu klein.

Zur Königin gekrönt wird Kerstin Wachter am Samstag, 26. August, und zwar von 16.30 Uhr an in der Konzertmuschel. Für diesen Abend lädt die Regentin zum Tanz im Café im Kurpark ein. Richtig rund geht's dann für sie und alle Besucher am Festwochenende.

Und auch an dem gibt's Neues: So stellt sich unter dem Brückenbogen in der Altstadt die Partnerstadt Mayrhofen aus dem Zillertal vor. Während am Freitagabend die Unplugged-Band "Three Monkeys And A Dog" am DRK-Stand am Kurhaus spielt, können sich die Festbesucher dort beim Bungee-Running versuchen. An diesem Stand eröffnen Kerstin II. und Oberbürgermeister Reinhard Wolters (CDU) um 14.30 Uhr das Laternenfest.

Wer nicht auf dem Fest unterwegs ist, sollte sein Radio auf der Frequenz 107,5 einschalten. Die TZ präsentiert wieder den Veranstaltungsfunk "Radio Megahertz".


Wer mehr wissen will, kann sich im Internet unter www.laternenfest.de schlau machen.

11.8.00 Taunus Zeitung
Debüt - das heißt plaudern und signieren

Von Ulrike Treutler

Kirdorf. Beim "Brunnengebabbel" des Gemeinschaftskreises Alt Homburg drehte sich gestern im Bürgerhaus Kirdorf alles um die Laterne. Im Miniaturformat leuchtete sie bunt auf den Tischen, größere Versionen hingen von der Decke herab und besungen wurde sie auch noch. Kein Wunder, denn es war der Tag, an dem sich Laternenkönigin Kerstin II. - noch ungekrönt - erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.

Walter Steinmetz, der extra zu diesem Anlass von seiner Kur aus Bad Kissingen zurück gekommen war, begleitete das Laternenfestlied auf dem Akkordeon, während die Königin mit ihrem Gefolge Einzug hielt. Ihr zur Seite standen zwei ihrer Vorgängerinnen, die Laternenköniginnen von 1983 und 1984, Inge I. (Denfeld) und Kirsten I. (Ohlrogge), der heutigen Vorsitzenden des Laternenfestvereins. Vom Vorsitzenden des Gemeinschaftskreises, Max Gromer, gab es Rosen für die neue und die beiden ehemaligen Laternenköniginnen.

"Wir möchten unserer Königin den Start in die Regierungszeit erleichtern und ihr die Scheu nehmen", sagte die stellvertretende Vorsitzende des Gemeinschaftskreises, Lydia Schumacher. "Ich bin sehr aufgeregt", gestand die 27-jährige Kerstin Wachter. Als sie mit acht Jahren nach Hessen gekommen sei, sei sie alles andere als glücklich gewesen, erzählte sie. "Inzwischen aber ist Bad Homburg zu meiner Heimat geworden." Die Nervosität der Laternenkönigin legte sich im gemütlichen Kreis der etwa 70 Alt Homburger schnell, als sie durch die Reihen ging, mit allen plauderte und Fotos signierte.

Vor allem von den Damen waren natürlich begeisterte Kommentare über das Festkleid von Kerstin II. zu hören. Charlotte Guske dachte hingegen in erster Linie praktisch: "Das Material knittert bestimmt leicht und ist schwer zu bügeln."

9.8.00 Taunus Zeitung

22.05.00 Taunus Zeitung
Gestatten, Majestät Kerstin II.
Von Hiko Rhode
Bad Homburg. Ihr majestätisches Lächeln wird Anfang September hunderttausende Menschen verzücken. Doch noch mag Kerstin Wachter ihr Glück nicht so recht glauben: "Es ist alles so neu, so unfassbar", strahlt die 27-Jährige. Denn Kerstin Wachter hat geschafft, wovon so viele andere junge Frauen träumen: Sie ist Bad Homburgs neue Laternenkönigin.
Dabei hatte sich die gebürtige Saarländerin bei der Abgabe ihrer Bewerbungsunterlagen eher als Außenseiterin gesehen - "wegen meiner beiden Kinder", erklärt sie. Die Bedenken schienen berechtigt, wurde doch niemals zuvor eine junge Mutter zur Laternenkönigin gekürt. Aber "ihr Auftreten hat uns schnell überzeugt", begründet die 1. Vorsitzende des Laternenfestvereines, Kirsten Ohlrogge, die Entscheidung des fünfköpfigen Komitees zu Gunsten von Kerstin Wachter, die fortan den Titel "Kerstin II." tragen wird.
 "Außerdem wollten wir, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, diesmal bewusst eine ,ältere' Königin", fügt Ohlrogge, die selbst schon einmal das Zepter in der Hand hatte, hinzu. "Kerstin ist eine reife junge Frau", beschreibt sie die 27-Jährige. Insgesamt hatten sich 13 junge Frauen aus Bad Homburg an der Ausschreibung beteiligt.
Kerstin Wachter verrät, dass zwei Gründe für ihre Bewerbung ausschlaggebend waren. Zum einen erreichte sie in diesem Jahr die Altersgrenze für Laternenköniginnen, zum anderen spornte sie ihr achtjähriger Sohn bei dem Vorhaben an. "Während meine Familie und ich im vergangenen Jahr den Festumzug sahen, sagte Dominic zu mir, ich solle doch auch einmal auf dem Wagen der Laternenkönigin sitzen", erinnert sich die gelernte Versicherungskauffrau. Gesagt, getan: Schon in wenigen Monaten kann Dominic gemeinsam mit Schwesterchen Lara (2) und Vater Marc Wachter (31) seine Mutter auf dem Thron bewundern.
 Und was sind die Hobbys der künftigen Laternenkönigin? Zum Beispiel das Tanzen und zwar in allen möglichen Ausprägungen. In der Standard- und Lateinformation der Bad Homburger Tanzschule Karabey lernte sie 1987 auch ihren späteren Ehemann kennen. Derzeit bevorzugt die 1,68 Meter große Frau Stepptänze. Manchmal lässt es Kerstin Wachter aber auch ruhiger angehen: "Dann lese ich sehr gerne." Krimis und historische Geschichten fesseln sie dann oft stundenlang an ihr Sofa.
Mit der Inthronisation am 26. August beginnt für Kerstin II. die Amtszeit. Die Krone wird sie in der Konzertmuschel im Kurpark dann von ihrer Vorgängerin Jennifer I. in Empfang nehmen. Besonders freut sich Kerstin Wachter auf den Kontakt mit vielen Menschen. "Mein Bekannten- und Freundeskreis wird bestimmt erweitert", ist sich die sympathische 27-Jährige sicher. Angst hingegen hat sie nur vor Laternenfestmontag, wenn sie im Jubiläumspark die Schlusszeremonie sprechen soll: "Wenn ich daran denke, macht mich das schon jetzt ziemlich traurig".
Kerstin Wachter lebt seit 1981 im Taunus. Berufliche Gründe ihres Vaters machten damals den Ortswechsel aus der Heimatstadt Merzig nach Wehrheim notwendig. Über Wernborn gelangte die junge Frau schließlich 1987 nach Bad Homburg. Auf der Humboldtschule absolvierte sie 1992 ihr Abitur.